Claudia Greiner, Die Peuketia


Claudia Greiner, Die Peuketia

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Aus dem Inhalt

V, 2 Siedlungsstruktur und Bauweise in der frühen Eisenzeit (9./8./7.Jh.v.Chr.)
V, 2, 1 Haustypen

Nachgewiesen werden konnten mehrfach Hütten mit ovalem, seltener rechteckigem Grundriß, die als eine Art Grubenhaus in den anstehenden Boden oder Fels eingetieft sein können. Häufig sind die Hüttengrundrisse von niedrigen Sockelmäuerchen aus Bruchsteinen umgeben. In einigen Fällen sind diese Sockelmäuer- chen so breit, daß evtl. an einen Aufbau aus Lehmziegeln zu denken ist. Wandgräbchen, Pfostenlöcher und Reste von Hüttenlehm lassen an Konstruktionen aus Holzflechtwerk mit Lehmbewurf und Dachdeckung aus vergänglichen Materialien (Holz, Stroh u.ä.) denken. Eine große Ovalhütte mit zentraler Mittelstütze ist aus Gravina di Puglia bekannt. Die Fußböden bestehen aus gestampfter Erde. Diese kann mit Steinsplittern versetzt sein, belegt sind auch Kiesböden. In Gravina di Puglia wurde ein Fußboden aus Keramikscherben auf die Mitte des 7.Jhs.v.Chr. datiert. Es könnte sich evtl. um den Küchenbereich eines Hauses handeln. Die runde Herdstelle - durch Asche und Kohlereste kenntlich - liegt im Innern der Hütte, in einer Vertiefung mit einer Unterlage aus Lehm. Gruben im Innenbereich der Hütten dienten wohl zur Aufnahme von Vorratsgefäßen oder wurden direkt als Silos genutzt. Mehrräumige Hütten, bzw. untereinander verbundene Hütten sind nur selten belegt. Sowohl die Hüttenformen, als auch die Bautechnik bleiben im 8. und 7.Jh.v.Chr. gleich. Ob es in der Peuketia innerhalb der Siedlungen mehrere Gruppen kleinerer Hütten gab, die sich jeweils um eine zentrale, größere und besser ausgestattete (mehr Feinkeramik) Hütte gruppierten, ist bisher mangels großflächiger Grabungen noch nicht zu belegen. In der Daunia sind solche gehöftähnlichen Hüttengruppen im 7.Jh.v.Chr. verbreitet. Im Bereich der Basilikata sind bislang rechteckige Hütten, z.T. mehrräumig mit Trennwänden und offenem Vorraum (Murgecchia, Timmari), ovale Hütten mit Pfostenlöchern für Fachwerk (Matera Piazza San Francesco d’Assisi) sowie Grubenhütten unregelmäßiger Form, ohne Hinweis auf die Art der Wandkonstruktion bekannt (L’Incoronata, Metapont).
V, 2, 2 Siedlungsstruktur
Siedlungsstrukturen der frühen Eisenzeit konnten in der Peuketia bislang nur selten und nur in kleinen Ausschnitten untersucht werden. Zur Siedlungsstruktur und eventuellen Befestigung lassen sich kaum Aussagen treffen. Analog zu den in der Basilikata und in der Daunia und Messapia untersuchten Siedlungen wäre mit verstreut liegenden unbefestigten Dörfern zu rechnen, deren Siedlungsareal selbst nur locker mit Hütten bebaut war und große Freiflächen aufwies. Ein ungefährer Ein- druck, wie man sich eine derartige aufgelockerte Siedlungsform mit Rundhütten und Freiflächen vorzustellen hat, läßt sich anhand eines Luftbildes eines äthiopischen Dorfs gewinnen. Die auf den ersten Blick völlig ungeordnet erscheinende Anlage besteht aus unterschiedlich großen, unterschiedlich dicht bebauten Teilflächen mit Freiräumen, die durch dazwischen entlang laufende Wege erschlossen werden. Eine für die frühe Eisenzeit ungewöhnlich dichte Besiedlung wurde bei Sondagen in Bari im Bereich der Città Vecchia festgestellt. Dies ist wahrscheinlich auf die Funktion dieser Siedlung als Hafenplatz zurückzuführen. Eine wirtschaftlich auf Fischfang (und evtl. Seehandel) ausgerichtete Siedlung bedarf keiner so großen Freiflächen wie eine landwirtschaftliche Siedlung. Zudem ist die natürliche Schutzfunktion der Halbinsel für eine über das Meer sehr viel leichter durch Plünderer o.ä. zu überraschende Küstensiedlung bei dichterer Besiedlung besser gewährleistet. Ein erster Ansatz zur ‘Organisation einer Siedlung’ ist vielleicht in der regelmäßigen Anlage der Hütten in Murgecchia zu erkennen..)
V, 3 Siedlungsweise in der Archaik (6.Jh.v.Chr.)
V, 3, 1 Haustypen

Zahlreiche, teils reich ausgestattete Gräber des 6.Jhs.v.Chr. lassen erkennen, daß das 6.Jh.v.Chr. eine erste Blütezeit in der Peuketia darstellt. Bislang gelang es jedoch nicht, zusammenhängende Siedlungsstrukturen aus diesem Zeitraums zu untersuchen. Reste von Fundamentmauern und Fußböden in der Unterstadt von Gravina di Puglia und evtl. von Monte Sannace belegen eine deutliche Ausdehnung des Siedlungsareals über den bisherigen Siedlungskern (Akropolis) hinaus. Die Bauweise der Häuser entspricht oft noch der der früheisenzeitlichen Typen. Das 'Hüttenhaus' ist in etwas aufwendigerer Form mit massiverem Kieselfundament und darübergelegtem Stampferdefußboden für die Mitte des 7.Jhs.v.Chr. in Gravina di Puglia belegt. Auch das in verschiedenen Orten beobachtete Siedlungsmaterial des 6.Jhs.v.Chr. (meist Keramik), das sich keinen erkennbaren Strukturen zuweisen läßt, könnte auf eine heute nur noch schwer nachweisbare Bebauung des entsprechenden Areals mit Hütten zurückzuführen sein.
Klar erkennbar ist jedoch die Zunahme von Einraumhäusern mit Trockenmauerfundament in Zweischalentechnik mit Lehmverbund und Wänden aus Lehmziegeln oder Holzflechtwerk mit Lehmbewurf. Die zahlreichen Nägel, die in peuketischen Siedlungen gefunden werden stammen wohl größtenteils von der Hauskonstruktion. Die Räume sind oft quadratisch und haben einen Stampferdeboden. Dies entspricht dem üblichen Haus der einfachen griechischen Bevölkerung seit dem Ende des 8.Jhs. Zunehmend häufiger kommen auch Häuser mit mehreren rechteckigen Räumen, längs vorgelagerten gepflasterten Höfen und Ziegeldächern vor. Die Räume haben dabei Grundflächen bis zu 40 m². Höfe und Wege können mit kleinen Steinen gepflastert sein.
Landwirtschaftliche Nebengebäude oder Handwerksbetriebe konnten bislang noch nicht durch Funde oder eindeutige Befunde identifiziert werden. Der Brennofen, der südlich der Umfassungsmauer von Ginosa Passo di Giacobbe gefunden wurde ist unpubliziert. Einzig Vorratsbehälter aus großen in den Boden eingelassenen Impasto- oder Steinpithoi sind bekannt, auch gibt es aus Pithosscherben oder Kalksteinen gesetzte Vorratsgruben. Abfallgruben sind ebenfalls belegt.


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